1. Grundlagen des Konzerns

 

Milliarden von Menschen vertrauen in ihrem privaten, digitalen und geschäftlichen Alltag auf die Technologien von Giesecke+Devrient (G+D). Überall auf der Welt steigt der Bedarf an einfach zu nutzenden physischen und digitalen Lösungen, die das moderne Zusammenleben sicherer machen. G+D hat sein Portfolio so ausgerichtet, dass es dazu beiträgt, die Gesellschaft bei diesen wichtigen Aufgaben zu schützen und zu unterstützen.

So sichert das Unternehmen bare, elektronische und mobile Bezahlvorgänge mit seinen Technologien und Services ab und stützt so das Vertrauen der Menschen in die Verlässlichkeit von Transaktionen. In einer modernen Gesellschaft benötigen zudem die Identitäten von Bürgern besonderen Schutz. G+D sichert und verwaltet diese beispielsweise als Passdokument, Führerschein oder Ausweis, aber auch als digitale Identität im Internet. Eine jederzeit verbundene Welt stellt auch die Konnektivität von mobilen Anwendungen vor große Herausforderungen. Verbindungen sind durch die Produkte, Lösungen und Services von G+D schnell, jederzeit verfügbar und sicher. Nicht zuletzt erfordert die zunehmende Komplexität der digitalen Welt innovative Wege bei IT- und Datensicherheit, die G+D für seine Kunden im behördlichen sowie industriellen Umfeld anbietet.

Diese vier Tätigkeitsfelder bilden, über die organisatorischen Grenzen der Unternehmensbereiche hinweg, das gesamte Portfolio von Giesecke+Devrient ab. Besondere Wachstumschancen hat G+D innerhalb dieser Felder in drei strategischen Schwerpunktbereichen identifiziert, auf die sich der Konzern im Speziellen fokussiert. Diese Bereiche treibt G+D in seinen Märkten offensiv voran.

Intelligente Automatisierung

G+D schafft neue Werte, indem es Kunden aus den unterschiedlichsten Industrien dabei unterstützt, Prozesse und Systeme zu automatisieren. Mit seinen Produkten, Lösungen und Dienstleistungen trägt G+D zur intelligenten Automatisierung im Herstellungsprozess, bei Identitäten und im Internet der Dinge bei.

Digitale Transformation

Milliarden von Geräten und Systemen kommunizieren über das Internet miteinander. G+D treibt die Digitalisierung intern und für seine Kunden im behördlichen und industriellen Umfeld voran. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf der Weiterentwicklung digitaler Schnittstellen zu Kunden, der Durchgängigkeit von Prozessen sowie neuen digitalen Geschäftsmodellen.

Cybersicherheit

In einer zunehmend digitalen Welt ist Cybersicherheit wichtiger denn je. G+D unterstützt seine Kunden dabei, ihre IT-Infrastruktur, Daten oder digitalen Identitäten vor unbefugtem Zugriff oder Missbrauch zu schützen. Eine Vielzahl an Unternehmen und Behörden vertraut dabei auf die Produkte sowie Beratung von G+D.

G+D beschäftigt rund 11.600 Mitarbeiter in 32 Ländern. Seit Januar 2017 operiert das Unternehmen in einer Holdingstruktur, in der die Unternehmensbereiche als rechtlich selbständige Teilkonzerne mit mehr unternehmerischer Handlungsfreiheit und Verantwortung agieren. Mit G+D Currency Technology, G+D Mobile Security, Veridos und secunet hat G+D leistungsfähige Einheiten geschaffen, die deutlich näher an ihre Märkte und Kunden rücken: G+D Currency Technology bietet Zentral- und Geschäftsbanken, Banknotendruckereien, Sicherheitspapierherstellern, Werttransportunternehmen und Kasinos weltweit Produkte und Lösungen für sicheres Bezahlen an. Dazu gehören Banknotenpapier, Banknoten, Sicherheitsfeatures, Banknotenbearbeitungsmaschinen und komplette Cash-Center-Lösungen. G+D gehört somit zu den international führenden Unternehmen im Bereich Currency Technology.

Banken, Mobilfunkunternehmen, Automobilhersteller und zunehmend weitere Unternehmen vertrauen in die Branchenlösungen der G+D Mobile Security. Sie sichert Daten, Identitäten sowie eine Vielzahl von digitalen Transaktionen ab. Das Angebot umfasst dabei unter anderem Lösungen wie eSIM-Management, Secure HCE/Cloud Payment oder Cybersicherheit. Auch Daten- und Projektmanagement gehören zum Portfolio, ebenso wie SIM-, Bank-, ID- und Gesundheitskarten sowie Token.

Veridos ist ein Joint Venture von G+D und der Bundesdruckerei. Seinen Kunden bietet Veridos sichere und zukunftsweisende Lösungen rund um Identifikation und Identität. Das Produktspektrum umfasst traditionell gedruckte Dokumente ebenso wie elektronische Ausweise, z.B. den ePass oder die eID-Karte. Hochsichere Reisedokumente, Ausweissysteme und Gesundheitskarten ermöglichen neben der herkömmlichen Identifizierung auch die Authentisierung und Absicherung digitaler Geschäftsprozesse.

Die secunet Security Networks AG ist der führende deutsche Anbieter für hochwertige Cybersicherheitslösungen und IT-Sicherheitspartner der Bundesrepublik Deutschland. secunet bietet ein umfangreiches Produkt- und Beratungsportfolio zum Schutz von Daten, Infrastrukturen sowie für die Informationsübertragung, -speicherung und -verarbeitung. Dazu gehören auch Verschlüsselungstechnologien bis zur höchsten Sicherheitsstufe (Top Secret). Behörden, Organisationen und Unternehmen sind so verlässlich gegen Cyberangriffe, Spionage und Sabotage geschützt.

Das Corporate Center steuert die Gesamtrichtung der G+D-Gruppe und unterstützt die Teilbereiche aktiv in ihrer strategischen Weiterentwicklung. Themen von strategischer Bedeutung, wie beispielsweise die im April 2017 als rechtlich selbständige Tochter gegründete G+D advance52, die im Konzern als Impulsgeber für neue digitale Technologien und Geschäftsmodelle fungiert, werden hier gebündelt. Darüber hinaus erbringt das Corporate Center verschiedene Dienstleistungen für den gesamten Konzern.
 

Management-Struktur

 
 

Erläuterungen zu den wesentlichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten finden sich im Kapitel 2.1.2.

 

 

2. Wirtschaftliche Entwicklung

 

Die Weltwirtschaft hat sich im Jahr 2017 auf breiter Basis weiter stabilisiert. Die Region mit dem größten relativen Wachstum war nach wie vor Asien. Besonders in der ersten Jahreshälfte entwickelten sich die Märkte in Japan, Russland und ausgewählten asiatischen sowie europäischen Ländern besser als erwartet. Auch die Schwellenländer in den Regionen Lateinamerika, Arabien und Afrika (Sub-Sahara) zeigten leichte Erholung. Die Unabhängigkeitsbestrebung Kataloniens sowie der britische EU-Austritt (Brexit) führten zu Unsicherheiten, die die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum hemmten. Zusätzliche Risiken für die weltweite Konjunktur ergaben sich aus der Handelspolitik, in der aktuell zunehmend protektionistische Überlegungen diskutiert werden.

Als weltweit präsentes Unternehmen für Sicherheitstechnologien in den Bereichen Bezahlen, Identitäten, Konnektivität sowie IT und Daten erzielte G+D auch 2017 ein moderates Umsatzwachstum.
 

2.1. Wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns


Die zur Konzernsteuerung herangezogenen wesentlichen finanziellen Leistungsindikatoren sind im Geschäftsjahr 2017 unverändert geblieben. Im Konzern basiert die Steuerung auf Umsatzerlösen, dem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), den Investitionen, der durchschnittlichen Intensität des Working Capitals1, dem Free Cashflow sowie dem Return on Capital Employed (ROCE) 2.

Durch strategische Investitionen in Beteiligungen erschließt sich G+D den Zugang zu attraktiven Märkten bzw. Technologien. Im Berichtsjahr hat G+D folgende nennenswerte Beteiligungen erworben: G+D Currency Technology vervollständigt mit dem Erwerb von 100% der Anteile an der Procoin GmbH in Deutschland sein Portfolio um den Bereich Münzbearbeitung und unterstreicht seine Rolle als Komplettanbieter für Lösungen im Bargeldkreislauf. Mit dem Erwerb von 16,29% der Anteile an Hansol Secure Co., Ltd. in Südkorea verschafft sich G+D Mobile Security eine hervorragende Plattform für die Zusammenarbeit in innovativen Geschäftsfeldern wie Internet of Things und Connected Cars. Zudem bündeln die Partner ihre Kompetenzen in der Entwicklung attraktiver Mobilfunk-, Sicherheits- und Konnektivitätslösungen für den asiatischen Markt. Des weiteren verstärkt G+D Mobile Security sein strategisches Engagement auf dem Markt für Bezahlkarten in Frankreich durch die vollständige Übernahme des Kartenpersonalisierungsunternehmens C.P.S. Technologies S.A.S. Veridos hat mit dem Erwerb eines Anteils von 40% an der NetSeT Global Solutions d.o.o., Serbien seine Kernkompetenzen im Bereich der Softwareentwicklung für elektronische ID-Systeme strategisch erweitert.

 


1 Verhältnis aus 12-Monats-Durchschnitt des Working Capitals im Berichtsjahr und Jahresumsatz; Working Capital = Kundenforderungen + Vorräte – Verbindlichkeiten – erhaltene Anzahlungen

2 Verhältnis aus EBIT zu durchschnittlichem Capital Employed (jeweils Stichtagswerte zum Jahresende). Capital Employed = Immaterielle Vermögenswerte + Sachanlagen + nach der Equity-Methode bilanzierte Finanzanlagen + Vorräte + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

2.1.1. Ertragslage


Im Geschäftsjahr 2017 hat G+D das hohe Umsatzniveau aus dem Vorjahr erneut ausgebaut und die Planung übertroffen. Der strategischen Ausrichtung des Konzerns folgend, zeigt sich für das Berichtsjahr ein stärkeres Wachstum im Lösungsgeschäft und Servicegeschäft von rund 10%, während das klassische Produktgeschäft moderat wächst. Der Umsatz in den Teilkonzernen hat sich unterschiedlich entwickelt.
  

Umsatz nach Teilkonzernen

in Mio. EUR20172016∆ in%∆ absolut
Currency Technology1.016,5927,69,6%88,9
Mobile Security812,3863,3–5,9%(51,0)
Veridos167,3183,2–8,7%(15,9)
secunet158,3114,937,8%43,4
Konsolidierung¹(18,0)0,0> 100%(18,0)
Gesamt2.136,42089,02,3%47,4

 

Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Umsatzwachstum bei 56,8 Mio. EUR.

Ein deutliches Umsatzplus weist der Bereich Currency Technology aus. Erstmals seit Bestehen von G+D konnte der Bereich mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielen. Das Wachstum wurde vor allem in der Division Currency Management Solutions erzielt. Hierbei trugen alle Produktbereiche zur Steigerung gegenüber dem Vorjahr bei. Der Umsatz der Division Banknote Solutions konnte sich trotz schwierigeren Marktumfelds auf dem hohen Niveau des Vorjahres behaupten.

Der Bereich Mobile Security konnte in schwierigem Marktumfeld nicht an den Erfolg der Vorjahre anknüpfen. Trotz 8%-iger Steigerung der Absatzmenge an Karten und Modulen war die Umsatzentwicklung aufgrund des nochmals verstärkten Preisverfalls rückläufig. Zudem schwächte sich der wichtige US-amerikanische Markt für Bezahlkarten mit EMV-Standard ab. Positive Impulse konnte Mobile Security in den Bereichen eSIM-Management und Mobile Payment setzen.

Der Unternehmensbereich Veridos profitierte im Vorjahr außerordentlich vom Abschluss eines Großprojekts. 2017 konnte der Bereich an den Erfolg des Vorjahres nicht anschließen und bleibt unter dem Vorjahresumsatz. Erfreulicherweise gelang es, durch die verbreiterte Kundenstruktur die Abhängigkeit von einzelnen Kunden zu verringern.

Die hochwertigen und vertrauenswürdigen Cyber-Security-Lösungen von secunet trafen auch 2017 die Kundenbedürfnisse. Neben dem starken Umsatzwachstum der SINA-Produktfamilie konnten auch mehr Beratungsleistungen verkauft werden, wodurch der Bereich ebenfalls einen Rekordumsatz sowie ein Rekordergebnis in seiner Unternehmensgeschichte erzielte.

Zur besseren Vergleichbarkeit der Aufwands- und Ergebnispositionen ist die Gewinn- und Verlustrechnung um Sondereffekte angepasst. Folgende Normierungen wurden in der Darstellung vorgenommen: 2016 wurden Schließungskosten EPC sowie 2017 Schließungskosten Giesecke + Devrient Mobile Security Slovakia (GDSK) und gegenläufig der Gewinn aus einer Grundstücksveräußerung eliminiert. Die Anpassungen wirken sich in unterschiedlichen Aufwandspositionen der Gewinn- und Verlustrechnung bis zum EBIT aus.
 

Gewinn- und Verlustrechnung (IFRS)

in Mio. EUR20172016∆ in%∆ absolut
Umsatzerlöse2.136,42.089,02,3%47,4
Bruttoergebnis vom Umsatz ¹618,8589,25,0%29,6
Brutto-Marge ¹ (in % vom Umsatz)29,0%28,2%2,8%+0,8 pp
Vertriebs-, Forschungs- und allg. Verwaltungskosten ¹(495,6)(467,0)6,1%(28,6)
Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen ¹14,76,3> 100%8,4
Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit ¹137,9128,57,3%9,4
Finanzergebnis(8,1)(3,3)> 100%(4,8)
EBIT (angepasst)129,8125,23,7%4,6
EBIT-Marge (angepasst) (in % vom Umsatz)6,1%6,0%1,7%+0,1 pp
Anpassungen0,4(6,0)
EBIT130,2119,29,2%11,0
Zinserträge2,22,3–4,3%(0,1)
Zinsaufwendungen(19,6)(23,1)–15,2%3,5
Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT)112,898,414,6%14,4
Ertragsteuern(45,8)(45,9)–0,2%0,1
Jahresüberschuss67,052,527,6%14,5
Überleitung zum EBITDA
EBIT (angepasst)129,8125,23,6%4,6
zzgl. Abschreibungen (angepasst) ²104,6107,0–2,3%(2,4)
EBITDA (angepasst)234,4232,20,9%2,2

Die Bruttomarge stieg trotz des anhaltend hohen Preisdrucks auf 29,0%. Neben den Effizienzsteigerungen wirkte sich auch die bessere Auftragsqualität besonders bei Currency Technology und bei Veridos positiv aus.

Die Strukturkosten − also die Kosten für Vertrieb, Forschung und allgemeine Verwaltung − steigen um rd. 6,1% überproportional zum Umsatz an. Der Zuwachs bei den Vertriebskosten auf 219,9 Mio. EUR (+6,4% zu VJ) steht im Wesentlichen in Zusammenhang mit den kostenintensiveren Angebotsphasen bei attraktiven Kundenprojekten, die erst in den Folgejahren zu Umsatzerlösen führen werden. Dies gilt vor allem für die Bereiche Currency Technology und Veridos. Durch gezielte Forschungsaktivitäten in den Bereichen Digitalisierung, Intelligente Automatisierung, Banknoten-Sicherheitsfeatures und Cybersicherheit festigt G+D seine herausragende Marktposition. In der Folge steigen allerdings auch die Forschungs- und Entwicklungskosten um 12,7% auf 125,7 Mio. EUR. Die allgemeinen Verwaltungskosten von 150,0 Mio. EUR haben sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert (+0,7% zu VJ).

Die sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen verbessern sich um +8,4 Mio. EUR, was größtenteils aus höheren Lizenzerträgen sowie einer kartellrechtlichen Entschädigungszahlung resultiert.

Das Finanzergebnis wurde 2017 von der stetigen Aufwertung des Euro gegenüber den für G+D wesentlichen Fremdwährungen wie US-Dollar und Chinesischer Renminbi stark belastet. Die Ergebnisbelastungen aus Fremdwährungstransaktionen und Kurssicherungskosten beliefen sich auf insgesamt –18,5 Mio. EUR. Im Vorjahr hatte die Ergebnisbelastung bei –4,1 Mio. EUR gelegen. Erfreulich entwickelten sich die Erträge aus Wertpapieren, die mit +5,5 Mio. EUR positiv zum Erfolg beitrugen (im Vorjahr –0,4 Mio. EUR). Das Beteiligungsergebnis der at-equity konsolidierten Unternehmen steuerte weitere +3,5 Mio. EUR zum Finanzergebnis bei.

Das EBIT (angepasst) konnte von 125,2 Mio. EUR 2016 auf 129,8 Mio. EUR im Berichtsjahr gesteigert werden. Alle operativen Unternehmensbereiche trugen positiv zum EBIT (angepasst) des Konzerns bei. Insbesondere Currency Technology und secunet haben das Vorjahr und die Planung übertroffen.

Infolge des Preisdrucks und der Überkapazitäten im Smart-Card-Geschäft hat sich G+D entschlossen, schrittweise und in enger Abstimmung mit den Kunden eine Optimierung der globalen Produktionslandschaft vorzunehmen. In diesem Zusammenhang wird der Standort in der Slowakei bis Ende 2018 geschlossen. Mit diesem Entschluss waren 2017 Kosten in Höhe von –15,0 Mio. EUR verbunden, die das EBIT belasteten. Auch das Ergebnis 2018 wird durch diese Maßnahmen belastet sein, soweit diese Kosten nicht rückstellungsfähig waren. Positiv hingegen wirkte sich der Verkauf eines Teils des Grundstücks am Stammsitz in München im Berichtsjahr aus. Der Ergebnisbeitrag aus dieser Transaktion lag nach Abzug der Beratungskosten bei 15,4 Mio. EUR. Im Vorjahr hat G+D im Konzernabschluss für die mit der Schließung der Tochtergesellschaft EPC verbundenen Aufwendungen eine Rückstellung von 6,0 Mio. EUR gebildet.

Das EBIT hat sich ohne diese Anpassungen von 119,2 Mio. EUR um 11,0 Mio. EUR auf 130,2 Mio. EUR erhöht. Das Ziel eines konstanten EBIT wurde klar übertroffen. Insbesondere die Erfolge bei CT, secunet und Veridos haben die Planung übertroffen.

G+D hat das günstige Zinsniveau für Umschuldungen genutzt und das Zinsergebnis gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Mio. EUR auf –17,4 Mio. EUR verbessert. Darin sind 11,4 Mio. EUR Zinsen auf Pensionsverpflichtungen enthalten (im Vorjahr 12,9 Mio. EUR). Der Zinsaufwand für Finanzverbindlichkeiten und sonstige Verbindlichkeiten lag bei 8,0 Mio. EUR (Vorjahr 10,2 Mio. EUR).

Der Aufwand aus Ertragsteuern belief sich im Berichtsjahr auf 45,8 Mio. EUR und bleibt damit auf dem Niveau des Vorjahres. Die Steuerquote ist von 46,6% auf 40,6% gesunken. 2016 wurde der Steueraufwand durch Ausbuchung aktiver latenter Steuern belastet.

Insgesamt hat G+D im Berichtsjahr wieder einen deutlich positiven Jahresüberschuss erwirtschaftet, der um 27,6% über dem Vorjahr liegt.

Das EBITDA (angepasst) liegt mit 234,4 Mio. EUR ebenfalls über dem Vorjahr und übertrifft die Planung (konstant geplant). Das EBITDA ohne Anpassungen beträgt 240,8 Mio. EUR und ergibt sich aus dem EBIT von 130,2 Mio. EUR und Abschreibungen von 110,6 Mio. EUR. Darin enthalten sind außerplanmäßige Abschreibungen i. H. v. 6,0 Mio. EUR, die im Zusammenhang mit der Schließung von GDSK stehen.
 

2.1.2. Forschung und Entwicklung


Als innovatives und kundenorientiertes Technologieunternehmen spielen Forschung und Entwicklung eine maßgebliche Rolle für den Erfolg von G+D. Die Gesamtausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung lagen mit 159,0 Mio. EUR über Vorjahr. Abzüglich kundenspezifischer Entwicklungskosten sowie Aktivierungen ergaben sich 125,7 Mio. EUR als reine F&E-Aufwendungen – die Erhöhung der Ausgaben ist ein deutliches Zeichen für die Innovationskraft von G+D.
  

Forschung und Entwicklung

20172016∆ in%∆ absolut
Anzahl F&E-MitarbeiterFTE1.1551.181–2,2%(26)
Anteil an der Gesamtmitarbeiterzahlin %10,0%10,5%–4,8%–0,5 pp
Ausgaben für F&Ein Mio. EUR159,0143,510,8%15,5
davon reine F&E-Aufwendungenin Mio. EUR125,7111,512,7%14,2
F&E-Quotein % von Umsatz5,9%5,3%11,3%+0,6 pp
davon Umsatzkostenin Mio. EUR22,422,30,4%0,1
davon aktivierungsfähige Kostenin Mio. EUR10,99,712,4%1,2
Aktivierungsquote in %in %8,7%8,7%0,0%0 pp
Abschreibung auf aktivierte Entwicklungskostenin Mio. EUR6,84,938,8%1,9
Anzahl aktive Patente7.5587.4561,4%102
Patent-Neuanmeldungen147171–14,0%(24)

 

Als Marktführer für ganzheitliches Bargeldmanagement will der Unternehmensbereich Currency Technology seine Marktpräsenz weiter ausbauen. Durch Innovationen bieten wir unseren Kunden attraktive Lösungen zur Verbesserung ihrer Wertschöpfungsketten. Unser Angebot geht dabei deutlich über die Bereitstellung von Substraten, Banknoten, Sicherheitsfeatures und Banknoten- Bearbeitungsmaschinen hinaus und wird permanent durch Forschungs- und Entwicklungsarbeit an die aktuellen Markttrends angepasst. Im Rahmen der digitalen Agenda von G+D schaffen wir für unsere Kunden durch übergreifende Software- und Automatisierungslösungen einen Mehrwert, indem die Produktivität der Cash Center bei nach wie vor höchsten Sicherheitsansprüchen deutlich gesteigert wird. Einen weiteren Bereich für Innovationen stellt die Nutzung von Big-Data-Technologien dar. Die Lösungen von G+D sammeln Daten entlang des Bargeldkreislaufs und erlauben damit präzise Prognosen für Zentralbanken und weitere Dienstleister im Bargeldkreislauf. Die Vernetzung der eingesetzten Produkte (Industrie 4.0), aber auch die Entwicklung von neuen modularen Produkten, die den Veränderungen im Markt der Banknotenverifikation und -sortierung gerecht werden, stellen einen weiteren Kern der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten dar. Darüber hinaus entwickeln wir unsere Banknoten- Sicherheitsfeatures in den Bereichen Fäden, Folien und Pigmente ständig weiter. Dass G+D Top- Funktionalität, modernes Industriedesign und attraktive Produktkosten in einem Projekt realisieren kann, zeigen unter anderem die Designawards, mit denen unsere Produkte in den letzten Jahren ausgezeichnet wurden.

Die globalen F&E-Aktivitäten im Unternehmensbereich Mobile Security konzentrieren sich auf drei wesentliche Schwerpunkte. Wir stellen Produkte und Lösungen für die drei Divisionen Financial Solutions, Connectivity & Devices und Cyber Security bereit. Im Bereich eSIM-Management konnten wir verschiedene kundenspezifische Lösungen für eine große weltweite MNO (Mobile Network Operators)- /OEM- Kundenbasis erfolgreich umsetzen und so unsere Technologieführerschaft unter Beweis stellen. In einem zweiten Schwerpunkt bieten wir standardisierte übergreifende Entwicklungsplattformen als Basis zukünftiger Produkte sowohl im embedded-Bereich als auch für Client/Server-Anwendungen. Der dritte Schwerpunkt zielt auf die Verbesserung der internationalen Kooperation und auf die Etablierung einheitlicher Prozesse und Methoden (Governance) aller internationalen Entwicklungsstandorte. Hier verfolgen wir einen Ansatz, der auf dem international anerkannten CMMI-Modell (Capability Maturity Model Integration) basiert. Die ersten erfolgreich nach CMMI zertifizierten Standorte sind Pune (Indien) und Beijing (China). Für das Jahr 2018 ist die Zertifizierungen der Entwicklungsstandorte in Barcelona, Stockholm und München geplant.

Veridos treibt Entwicklungen von ID-Dokumenten und komplexen Systemlösungen weiter voran. Im Bereich Software/Betriebssysteme erhöhen wir die Konnektivität der Javaplattform durch Integration der Applet Suite mit entsprechenden Zertifizierungen. Neben den Plattformen hat Veridos auch die Entwicklung hochsicherer ID-Dokumente (z.B. mobiler Führerschein) vorangetrieben. Mit den Lösungen für hochsichere digitale Identitäten, der ID-Plattform IMAGO und der Bordercontrolplattform VeriGO® bietet Veridos nun ein breites Lösungsspektrum von der Beantragung einer ID bis hin zu ihrer Überprüfung im Rahmen einer Grenzkontrolle.

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der secunet zielen auf Verbesserungen und Innovationen bei Verfahren, Produkten und Lösungen. secunet trägt damit dem wachsenden Bedürfnis seiner Kunden nach erhöhter Sicherheit in den bestehenden Infrastrukturen sowie nach Lösungen für Bedrohungen in neuen technischen Umgebungen Rechnung. Die operativen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der secunet erfolgten in der Vergangenheit nahezu ausschließlich im Auftrag von Kunden, die entsprechenden Aufwendungen konnten daher überwiegend den Auftraggebern in Rechnung gestellt werden. Zudem stützt secunet seine Innovationsanstrengungen strategisch auf die folgenden drei Säulen: Förderung der Innovationskultur, Kooperation und Partnerschaften mit Kunden, Universitäten und Verbänden sowie Bündelung von Kompetenzen bei Produktmanagern, welche die Entwicklungen vom Innovationsmanagement bis zur Erstellung marktreifer Produkte begleiten.

Die im April 2017 als rechtlich selbständige Tochter gegründete G+D advance52 – unser Impulsgeber für digitale Technologien und Geschäftsmodelle – hat bereits im ersten Jahr ein komplettes ID-Managementsystem für UHF-Chips entwickelt (i-SiD). Die Lösung ermöglicht eine Verschlüsselung nach dem Standard ISO29167-19 sowie eine cloud-basierte Verwaltung. Damit lässt sich die Technologie effizient z.B. in Anwendungen im Automotive-Bereich oder in Zugangssystemen einsetzen. Ferner entwickelte die Gesellschaft einen digitalen Vertriebskanal für G+D-eigene Hardware (E-shop).

Die Veränderung der aktiven Patente sowie der Anzahl der Patentneuanmeldungen liegt innerhalb der branchenüblichen Schwankungsbreite.

2.1.3. Investitionen


Das Investitionsvolumen1 lag 2017 bei 94,9 Mio. EUR. Durch bewusst verhaltene Investitionstätigkeit vor allem in der zweiten Jahreshälfte wurde der budgetierte Investitionsrahmen – der eine leichte Steigerung unterstellte – nicht vollständig ausgeschöpft. Die auf das Anlagevermögen bezogene Investitionsquote lag im Konzern mit 15,1% unter dem Vorjahreswert von 15,6%.

Bei Sachanlagen haben die beiden Bereiche Currency Technology und Mobile Security vornehmlich in die Optimierung und Erneuerung von Produktionsanlagen sowie den Ausbau des weltweiten Netzwerks an Personalisierungszentren investiert. Bei der Tochtergesellschaft der Veridos in Griechenland wurden Anlagen zur Produktion und Personalisierung von ID-Karten und Polycarbonat-Datenseiten für Pässe auf- bzw. ausgebaut. Damit wird die Wertschöpfungskette flexibler und effizienter. Bereichsübergreifend wurde am Standort in München mit der Modernisierung der Büroräume begonnen. Insgesamt beliefen sich die Investitionen in das Sachanlagevermögen (inklusive Anzahlungen) auf 69,8 Mio. EUR. Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte (+25,2 Mio. EUR) ergeben sich insbesondere aus den aktivierten F&E-Leistungen sowie aktivierten Softwarelösungen (z.B. ID-Service-Plattform).
 

Investitionen und Planmäßige Abschreibungen

in Mio. EUR20172016∆ in%∆ absolut
Konzernumsatz2.136,42.089,02,3%47,4
Investitionen94,9101,7–6,7%(6,8)
Planmäßige Abschreibungen102,6105,5–2,7%(2,9)
Investitionsquote (in % vom Anlagevermögen²)15,1%15,6%–0,5 pp

Wesentliche Investitionsverpflichtungen bestehen für 2018 nicht.
 

2.1.4. Vermögenslage


Die kurzfristigen Vermögenswerte sind um 42,8 Mio. EUR gestiegen. Der Aufbau von Vorräten (+31,8 Mio. EUR) steht vor allem in Zusammenhang mit dem Aufbau von Vorräten in China sowie dem höheren Geschäftsvolumen. Infolge des besonders umsatzstarken vierten Quartals sind die kurzfristigen Forderungen (+27,5 Mio. EUR) zum Bilanzstichtag gestiegen. Eine detaillierte Betrachtung zur Veränderung der Flüssigen Mittel erfolgt in Kapitel 2.1.5.

Die langfristigen Vermögenswerte sanken zum 31. Dezember 2017 um 10,7 Mio. EUR. Der Rückgang bei den Sachanlagen erklärt sich einerseits aus dem Investitionsvolumen, das per Saldo unter den planmäßigen Abschreibungen geblieben ist, sowie den außerplanmäßigen Abschreibungen von 6,0 Mio. EUR, die im Zusammenhang mit der Schließung des Produktionsstandorts in der Slowakei vorgenommen wurden. Die sonstigen langfristigen Vermögenswerte stiegen insbesondere durch die 2017 neu erworbene Beteiligung an Hansol Secure Co., Ltd. und der NetSeT Global Solutions d.o.o. Ferner erhöhte sich in Zusammenhang mit Projektgeschäft der Veridos der langfristige Teil der Kundenforderungen.

Ein wesentlicher Teil der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten wurde durch ein langfristiges zinsgünstiges Darlehen abgelöst.

Der Verbrauch der Rückstellung für die Schließungskosten bei EPC sowie das insgesamt niedrigere Niveau der Gewährleistungsrückstellungen führten zu einem Abbau der Rückstellungen gegenüber dem Vorjahr. Durch das höhere Geschäftsvolumen insbesondere im letzten Quartal und längere Zahlungsziele sind die Lieferantenverbindlichkeiten zum Jahresende gestiegen.

Durch im Wesentlichen planmäßige Tilgungen hat G+D die lang- und kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten (inklusive Leasing) um 6,6 Mio. EUR zurückgeführt. Darin ist die Neuaufnahme eines langfristigen Darlehens der Europäischen Investitionsbank (EIB) für Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Höhe von 80,0 Mio. EUR enthalten.

Die Rückstellungen für Pensionen haben sich um 7,2 Mio. EUR erhöht, was im Wesentlichen aus der erstmaligen Vollkonsolidierung der EPC (Pensionsrückstellung in Höhe von 5,2 Mio. EUR zum 31.12.2017) resultiert.

Die Eigenkapital-Quote erhöhte sich auf 20,6% und lag damit 1,2%-Punkte über dem Vorjahr.

Die durchschnittliche Working-Capital-Intensität erreichte 22,3% und führte nicht zu dem geplanten leichten Rückgang. Im Vorjahr hatte G+D durchschnittlich einen geringeren Vorratsbestand sowie höhere Kundenanzahlungen, sodass die Kennzahl etwas niedriger bei 21,5% war.

Der ROCE, berechnet mit EBIT (angepasst), bleibt mit 12,1% auf dem Vorjahres- und Planniveau.

Aus außerbilanziellen Verpflichtungen werden keine wesentlichen Auswirkungen erwartet. Wir verweisen an dieser Stelle auf Angabe 31 des Konzernanhangs.

 


1 Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und geleistete Anzahlungen hierfür

 

Zusammengefasste Bilanz (IFRS)

201720162017 % von Bilanzsumme∆ absolut
Aktiva2.142,12.109,932,2
Kurzfristige Vermögenswerte1.283,01.240,259,9%42,8
davon Vorräte426,2394,419,9%31,8
davon kurzfristige Forderungen488,1460,622,8%27,5
davon Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente210,7243,69,8%(32,9)
Langfristige Vermögenswerte859,1869,740,1%(10,6)
davon Sachanlagen471,2495,922,0%(24,7)
davon immaterielle Vermögenswerte155,7158,07,3%(2,3)
davon sonstige langfristige Vermögensgegenstände232,1215,810,8%16,3
Passiva2.142,12.109,932,2
Kurzfristige Verbindlichkeiten803,4831,837,5%(28,4)
davon kurzfristige finanzielle Schulden75,5127,03,5%(51,5)
davon kurzfristige Leasingverbindlichkeiten3,22,60,1%0,6
davon Rückstellungen97,0121,04,5%(24,0)
davon Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen456,8419,821,3%37,0
Langfristige Verbindlichkeiten896,8869,841,9%27,0
davon langfristige finanzielle Schulden250,6203,111,7%47,5
davon langfristige Leasingverbindlichkeiten0,13,30,0%(3,2)
davon Pensionen und ähnliche Verpflichtungen594,0586,827,7%7,2
Eigenkapital441,9408,320,6%33,6

2.1.5. Finanzlage


2017 erzielte G+D einen Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit von 77,7 Mio. EUR. Belastend wirkte hierbei der Anstieg des Working Capitals zum Bilanzstichtag. Mit den zusätzlichen Erlösen aus der Immobilientransaktion abzüglich Beratungskosten wurden die Investitionen vollständig aus eigener Kraft finanziert. Der Free Cashflow war damit im Berichtsjahr ausgeglichen. Gegenüber der Planung wirkte insbesondere das höhere Working Capital zum Bilanzstichtag negativ auf den Free Cashflow, sodass trotz der vergleichsweise verhaltenen Investitionstätigkeit die Planung eines deutlich positiven Free Cashflows nicht erreicht wurde.

Von der EIB wurde im Juli 2017 ein zinsgünstiges langfristiges Darlehen in Höhe von 80,0 Mio. EUR für Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Anspruch genommen. Neben planmäßigen Tilgungen von langfristigen Darlehen i. H. v. 51,3 Mio. EUR hat G+D auch kurzfristige Bankdarlehen und Kontokorrentkredite i. H. v. 39,0 Mio. EUR zurückgeführt. Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Angabe 13 des Konzernanhangs, in der zugesagte aber nicht ausgenutzte Kreditlinien sowie die Kapitalstruktur dargestellt sind. Die Dividendenzahlung an die Gesellschafter betrug im Berichtsjahr 14,2 Mio. EUR.

Der Bestand an Zahlungsmitteln hat sich 2017 um 32,9 Mio. EUR auf 210,7 Mio. EUR reduziert.
 

Veränderung der Zahlungsmittel


 

2.1.6. Mitarbeiter


Nach dem Rückgang in den vergangenen beiden Jahren hat G+D 2017 wie geplant die Anzahl der Beschäftigten insgesamt moderat aufgebaut. Insbesondere durch Akquisitionen sowie zur Unterstützung des Umsatzwachstums waren mehr Mitarbeiter in der Produktion und im Vertrieb beschäftigt. Der Anstieg in der Verwaltung hängt maßgeblich mit der weltweiten Umsetzung der Holdingstruktur zusammen. Im Berichtsjahr stiegen die Personalaufwendungen auf 658,0 Mio. EUR (+2,2%).
 

Anzahl Mitarbeiter

FTE zum Stichtag20172016∆ in%∆ absolut
Produktion7.5237.3602,2%163
Vertrieb1.4301.3555,5%75
Forschung und Entwicklung1.1551.181–2,2%(26)
Verwaltung1.4921.4046,3%88
Gesamt11.60011.3002,7%300

2.1.7. Erklärung zur Unternehmensführung


Im Hinblick auf das deutsche Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) hat sich der Aufsichtsrat 2015 zum Ziel gesetzt, dass mindestens 30% der Mitglieder des Aufsichtsrats Frauen sein sollen. Schon heute übertreffen wir dieses Ziel: Mit Astrid Meier, Verena von Mitschke-Collande, Prof. Dr. Gabi Dreo Rodosek, Claudia Scheck und Monika Wächter beträgt der Frauenanteil im Aufsichtsrat 41,7%. In der Geschäftsführung war wie erwartet zum 30. Juni 2017 keine Frau bestellt. Die Zielsetzung, 10% der Positionen der ersten Führungsebene zum 30. Juni 2017 weiblich zu besetzen, hat G+D leicht übertroffen. Mit einem Anteil von 18% in der zweiten Führungsebene wurde die Zielsetzung von 20% nur knapp verfehlt. Als neue Ziele hat die Geschäftsführung beschlossen, den Zielanteil von Frauen in der ersten Führungsebene auf 17% und in der zweiten Führungsebene auf 30% anzuheben. Die bestehenden Zielquoten für den Frauenanteil im Aufsichtrat sowie in der Geschäftsführung hat der Aufsichtsrat bestätigt. Diese Quoten sollen in der Giesecke & Devrient GmbH bis zum 31.03.2022 erfüllt werden.
  

2.2. Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage


Erneut hat G+D den Umsatz gesteigert und das Ergebnis verbessert. Vor Einmalbelastungen aus Restrukturierung tragen alle operativen Unternehmensbereiche zum positiven EBIT bei, das wie geplant leicht über dem Vorjahresniveau lag.

Der Bereich Currency Technology erzielte einen Rekordumsatz und hat damit die Erwartungen klar übertroffen. Die Division Banknote Solutions profitierte trotz schwierigen Marktumfelds wie im Vorjahr von hohen Absatzvolumina. Die Division Currency Management Solutions erzielte im Geschäftsjahr erhebliche Zuwächse. Hierzu trugen sowohl das Produktgeschäft als auch das Lösungsgeschäft bei. Ebenso konnte das Servicegeschäft gesteigert werden.

Das Ausmaß des Einbruchs im Geschäft mit EMV-Karten in den USA überraschte alle Anbieter – so auch G+D Mobile Security. Mit Hilfe des Wachstums bei eSIM-Management, Automotive und Mobile Payment konnte G+D Mobile Security einen Teil der Umsatzlücke gegenüber der Planung und dem Vorjahr ausgleichen.

In dem schwierigen Marktumfeld mit hohen geopolitischen Herausforderungen gelang es Veridos wie erwartet, an den Erfolg des Vorjahres anzuknüpfen. Der leichte Umsatzrückgang ist für das Projektgeschäft marktüblich. Langfristig befindet sich Veridos auf Wachstumskurs.

Außerordentlich erfolgreich war secunet. Mehrmals konnte der Bereich im abgelaufenen Geschäftsjahr seine Umsatz- und Ergebnisprognose anheben. Die überzeugenden Cyber-Security-Lösungen erfüllen die hohen Anforderungen der deutschen Behörden und bilden das Fundament für nachhaltiges Wachstum.

Aufgrund der Verbesserung des EBIT (angepasst) hat auch das EBITDA (angepasst) das Vorjahr sowie die konstant gehaltene Planung übertroffen.
 

3. Chancen- und Risikobericht

sowie Risikoberichterstattung über die Verwendung von Finanzinstrumenten

 

Als global agierendes Unternehmen befindet sich G+D im Rahmen seiner breit gefächerten Geschäftstätigkeit in einem Spannungsfeld zwischen Risiken und Chancen. Unerkannte beziehungsweise unzureichend gesteuerte Risiken stellen ein hohes Gefährdungspotenzial für jeden Unternehmensbereich sowie den Konzern dar. Effizientes Risikomanagement dient der verantwortungsbewussten, nachhaltigen Führung des Konzerns. Ziel des Risikomanagements bei G+D ist, Risiken so früh wie möglich zu erkennen, sie angemessen zu bewerten und durch geeignete Maßnahmen gegenzusteuern. Damit sollen potenzielle Schäden für die Vermögens-, Finanz- und Ertragskraft des Unternehmens minimiert, der Fortbestand als unabhängiges Unternehmen gesichert, die Position am Markt gestärkt und der Unternehmenswert nachhaltig gesteigert werden.
 

3.1. Risikomanagement-System


Das Risikomanagement-System ist die Gesamtheit aller prozessualen und organisatorischen Regeln, um die Gesamtrisikolage des Konzerns zu erfassen, zu analysieren, zu bewerten und zu steuern. Das Risikomanagement-System ist eingebettet in den Strategie-, Planungs- und Controllingprozess des gesamten Konzerns. Während die operativen Risiken sowie finanzwirtschaftliche Risiken anlassbezogen laufend im Management des Tagesgeschäfts adressiert und in den vierteljährlichen Performance-Reviews überprüft werden, unterliegen die strategischen Risiken im Rahmen des Strategieprozesses einer jährlichen Überprüfung und damit auch einer gesonderten Berichterstattung. Ebenso werden Compliance-Risiken über die eigene Compliance-Organisation gesteuert und unterliegen einer gesonderten Berichterstattung, die bei finanziellen Auswirkungen eine Meldung an das Konzern-Controlling vorsieht.

Das Konzern-Controlling erstellt quartalsweise einen Konzern-Risikobericht, der Aufschluss über den aktuellen Stand der Risiken gibt. Der Risikobericht wird als Bestandteil der Quartalsberichterstattung an die Mitglieder des Aufsichtsrats und des Beirats versandt. Das Konzern-Rechnungswesen kodifiziert sämtliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden in der konzernweiten Bilanzierungsrichtlinie und aktualisiert diese bei Veröffentlichung neuer oder geänderter IFRS-Standards. Mitarbeiter in den Finanzbereichen werden regelmäßig über aktuelle Themen zur Rechnungslegung sowie die Termine im Abschluss- und Planungsprozess informiert. Für die Bewertung aller bilanzrelevanten Risiken (zum Beispiel Vorratsbewertung, Forderungsausfallrisiko, Rückstellungsbewertung) hat das Konzern-Rechnungswesen konzerneinheitliche Vorgaben festgelegt. Für spezielle Bewertungsthemen wie die Bewertung der Pensionsverpflichtungen werden externe Sachverständige hinzugezogen. Im monatlichen Reporting an die Geschäftsführung werden Soll-Ist-Vergleiche angestellt. Wesentliche Veränderungen und die inhaltliche Zusammensetzung einzelner Positionen werden auf den Ebenen Konzern, Teilkonzern und Tochtergesellschaft analysiert.
 

3.2 Compliance-Management


Aufgabe des Compliance-Management-Systems (CMS) ist die Sicherstellung des Vertrauens der Kunden in G+D. Gleichzeitig dient es der Sicherung des Fortbestandes des Unternehmens. Das ComplianceManagement-System wird ständig weiterentwickelt, um einerseits neuen gesetzlichen Anforderungen zu genügen und andererseits dem aktuellen Risikoprofil des Unternehmens zu entsprechen. Um dieser Zielsetzung auch nach dem Aufbau einer Holdingstruktur noch zu entsprechen, wurde das Compliance-Management-System entsprechend angepasst. Angemessenheit, Implementierung und Wirksamkeit des CMS bezogen auf Antikorruption und Kartellrecht wurde im Teilkonzern G+D Currency Technology 2017 bereits nach IDW PS 980 durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. In den Teilkonzernen G+D Mobile Security und Veridos erfolgt dies 2018.

Die Compliance Offices berichten regelmäßig über Aktivitäten in den Compliance-Kernbereichen Vorbeugung, Entdeckung und Reaktion.
 

Compliance-Management

 

Einzelne Vorfälle werden davon unabhängig und unmittelbar an den Vorsitzenden der jeweiligen Geschäftsführung berichtet, der zusammen mit der jeweiligen Geschäftsführung geeignete Maßnahmen einleitet. Zur Prüfung und Beratung bei Compliance-Vorgängen wird im Bedarfsfall auf externe Berater zurückgegriffen.

G+D Currency Technology, ein Gründungsmitglied der Banknote Ethics Initiative (BnEI), wurde 2017 turnusgemäß auditiert und für weitere drei Jahre als Mitglied der Organisation akkreditiert. Die Banknote Ethics Initiative wurde im Mai 2013 gegründet, um ethisches Geschäftsverhalten zu fördern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Verhinderung von Korruption und Kartellrechtsverstößen in der Banknotenindustrie.

Die Konzernrevision (Corporate Audit) prüft und bewertet im Auftrag der Geschäftsführung regelmäßig Existenz und Wirksamkeit der Steuerungs- und Überwachungsprozesse im Konzern. Schwerpunktmäßig werden die Themen Risikomanagement, internes Kontrollsystem, gesetzliche Regularien und unternehmensinterne Richtlinien geprüft. Die Konzernrevision wurde 2011 nach den Anforderungen des Deutschen Instituts für Interne Revision e.V./The Institute of Internal Auditors durch KPMG zertifiziert. Eine Neuzertifizierung ist im März 2018 durch Ernst and Young erfolgt. Die Konzernrevision führte im Geschäftsjahr 2017 insgesamt 19 Prüfungen durch. Die Prüfungsergebnisse berichtet die Konzernrevision an die Geschäftsführung und an das Management der geprüften Einheit. Die Umsetzung der aus den Prüfungen hervorgegangenen Maßnahmen wird durch die Konzernrevision nachgehalten.
 

3.3. Strategische Risiken


Die Aufrechterhaltung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit erfordert die Entwicklung von neuen Produkten, Dienstleistungen und Lösungen. Dazu müssen unter anderem vollständige Eco-Systeme aufgebaut und dazugehörige Geschäftsmodelle implementiert werden. Gegebenenfalls kommt es auch zu einer veränderten Haftungssituation. Dabei ist entscheidend, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Technologien zu entwickeln und die notwendige Organisation bereit zu stellen. Durch gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung versuchen wir, Märkte aktiv mitzugestalten. Durch zu früh gestartete Aktivitäten können Leerkosten entstehen. Zu spät gestartete Aktivitäten können zu einem Verlust von Marktanteilen führen. Änderungen der Strategie können wesentliche Restrukturierungsaufwendungen verursachen. Wir begegnen diesem Risiko durch eine jährliche Überprüfung der Strategie in den Teilkonzernen sowie übergreifend auf Konzernebene.

Zur Unterstützung der Strategie sowie zum Ausbau des Produkt- und Dienstleistungsportfolios sind teilweise kapitalbindende, zielgerichtete Akquisitionen notwendig. Mit der Umsetzung des jeweiligen Geschäftsplans und der notwendigen Integration des akquirierten Unternehmens in den Konzernverbund gehen erhebliche Risiken einher. Die Verfehlung der Ziele kann eine erfolgswirksame Abwertung von Vermögenswerten nach sich ziehen.
 

3.4 Operative Risiken und Chancen


Alle identifizierten operativen Risiken werden regelmäßig von den Risikoverantwortlichen in den Tochtergesellschaften überprüft. Dabei erfolgt eine Analyse der Eintrittswahrscheinlichkeit, des potenziellen Schadens sowie der Wirksamkeit der risikomindernden Maßnahmen.

 

3.4.1. Risikoanalyse


G+D führt eine ganzheitliche Risikoanalyse durch, die von der Vertragsanbahnung bis zum Ablauf von Gewährleistungsfristen reicht. Soweit das Geschäft im Rahmen der operativen Zuständigkeit einer Konzerngesellschaft vertrieblich zugewiesen ist, diese Gesellschaft jedoch technisch, logistisch oder in sonstiger Weise von einer anderen Konzerngesellschaft beliefert oder fachlich unterstützt wird, ist eine gemeinsame Risikoanalyse der beteiligten Konzerngesellschaften zu erstellen.

Grundsätzlich unterteilt G+D operative Risiken in die Risikokategorien Produktionsrisiken, Lieferantenrisiken, IP-Risiken, IT-Risiken, Risiken im politischen Umfeld, Finanzrisiken und Steuerrisiken. Mit einem Vorhaben können mehrere einzelne Risiken verbunden sein, die sich zum Teil additiv ergeben, aber auch gegenseitig ausschließen können.

3.4.2. Operative Risiken und deren Bewertung


Operative Risiken sind Risiken, die sich entlang der Wertschöpfungsstufen ergeben und die das Erreichen der kurzfristigen Unternehmensziele gefährden können. Es sind sowohl die einzelnen Risiken jeweils separat zu bewerten als auch ein mit dem Vorhaben verbundenes Gesamtrisiko zu ermitteln, das die einzelnen Risiken sinnvoll kumuliert. Die identifizierten Risiken (Einzelrisiken wie auch Gesamtrisiko) sind nach der Brutto- und Nettomethode zu bewerten. Als Bruttorisiko wird der potenzielle Schaden ohne Berücksichtigung der Risikobewältigungsmaßnahmen zur Verringerung der Schadenshöhe definiert. Ein Nettorisiko ergibt sich, wenn die Maßnahmen zur Risikominimierung berücksichtigt werden. Wird zudem die Eintrittswahrscheinlichkeit mit dem Nettorisikowert multipliziert, resultiert daraus der Risikowert.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos gibt dabei eine Erwartungseinschätzung für den Eintritt des identifizierten Risikos an, die wie folgt klassifiziert wird:
  

BeschreibungEintrittswahrscheinlichkeit
Mit dem Eintritt ist zu rechnen80% < x
Eher wahrscheinlich50% < x ≤ 80%
Eher unwahrscheinlich10% < x ≤ 50%
Denkbar, aber eher theoretischx ≤ 10%

Zum 31. Dezember 2017 wurden 43 operative Gesamtrisiken im Rahmen des Risikoberichts an Geschäftsführung und Aufsichtsrat gemeldet. Für Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit größer 50% werden Rückstellung beziehungsweise Wertberichtigung zu 100% des Nettorisikowerts 1 gebildet.

 


1 Nettorisikowert = Bruttorisikowert unter Einbezug von Gegenmaßnahmen, vor Rückstellung

 

In der nachfolgenden Grafik sind die einzelnen Risiken entsprechend der Auswirkung (Nettorisiko) und Eintrittswahrscheinlichkeit dargestellt.
 

Risiko-Auswirkung und Eintrittswahrscheinlichkeit

 

Die Risiken wurden im Einklang mit den Konzern-Bilanzierungsrichtlinien im vorliegenden Konzernabschluss beziehungsweise in der Prognose berücksichtigt. Wenn die Risiken, für die aufgrund ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit keine Rückstellungen gebildet wurden, dennoch eintreten, würde dies die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage negativ beeinflussen. Sollten alle Risiken in Summe eintreten, würde daraus ein erheblicher Schaden entstehen. Bei Eintritt der bilanzierten Risiken ist zudem mit einem Zahlungsmittelabfluss zu rechnen.

Für die weitere Betrachtung werden die einzelnen Risiken anhand der oben genannten Risikokategorien zusammengefasst.

  

Risikokategorien



Gesamtrisikolage

Nach sorgfältiger Analyse weist das konzernweite Risikoprofil weder einzeln noch in der Gesamtbetrachtung bestandsgefährdenden Charakter auf. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass G+D aufgrund der guten Marktpositionierung, der technologischen Innovationskraft, der weltweiten Standardisierung von Prozessen sowie mit seinen engagierten Mitarbeitern auch 2018 die Herausforderungen der Risiken meistern und sich bietende Chancen ergreifen wird.

Finanzrisiken

G+D ist dem klassischen Liquiditätsrisiko, dem Kontrahentenausfallrisiko und Marktrisiken durch die Veränderung von Wechselkursen, Zinssätzen sowie Aktienkursen ausgesetzt. Der Konzern steuert diese Risiken vorwiegend im Rahmen seiner laufenden Geschäfts- und Finanzierungsaktivitäten. Andererseits werden finanzwirtschaftliche Risiken für die G+D-Gruppe sowie ihre operativen Tochtergesellschaften auf der Grundlage schriftlicher Richtlinien zentral durch die G&D GmbH erfasst und gesteuert. Finanzwirtschaftliche Risiken sind ein Bestandteil des monatlichen Risikoreportings an die Geschäftsführung sowie Bestandteil der regelmäßigen Berichterstattung an Aufsichtsrat und Beirat.

Der vergleichsweise hohe Nettorisikowert von 35,7 Mio. EUR ergibt unter Berücksichtigung der Eintrittswahrscheinlichkeiten einen Risikowert von 10,9 Mio. EUR. Hierfür wurden zum Stichtag 31.12.2017 Rückstellungen bzw. Wertberichtigungen i. H. v. 0,8 Mio. EUR gebildet.

Bei Bedarf werden im Fremdwährungs- und Zinsbereich derivative Finanzinstrumente für die Absicherung von Grundgeschäften eingesetzt. In Übereinstimmung mit den für internationale Banken geltenden Standards zum Risikomanagement unterliegen alle Handelsaktivitäten einer vom Zentralbereich Treasury unabhängigen Finanzkontrolle.

Gemäß IAS 19 ist G+D verpflichtet, versicherungsmathematische Gewinne und Verluste der Pensionsverpflichtungen sofort und vollständig im Eigenkapital zu erfassen. Daraus resultiert eine hohe Volatilität des Eigenkapitals bei schwankenden Kapitalmarktzinsen.

Für weitere Ausführungen zu finanziellen Risiken verweisen wir auf den Anhang Nr. 22.

IP-Risiken

Im Rahmen unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ist es entscheidend, Rechte an geistigem Eigentum (Intellectual Property – IP) zu schützen, zu lizenzieren oder zu erwerben. Wir könnten von Dritten beschuldigt werden, die Rechte an deren geistigem Eigentum zu verletzen. Dies könnte Schadenersatzzahlungen und das Verbot der Nutzung bestimmter Technologien zur Folge haben. Unsere Patentabteilung sorgt in Zusammenarbeit mit externen Anwaltskanzleien für die Neuanmeldung und Überwachung von Patenten.

Der Risikowert der IP-Risiken beträgt 3,5 Mio. EUR. Hierfür wurden zum Stichtag 31.12.2017 Rückstellungen
i. H. v. 3,3 Mio. EUR gebildet.

IT-Risiken

G+D kann sich Risiken der Cybersicherheit in Form von Wirtschafts- und Industriespionage oder Cyberangriffen sowohl durch einzelne Staaten als auch durch Wettbewerber nicht vollständig entziehen. Daraus könnten die unerwünschte Weitergabe von vertraulichen Informationen oder geistigem Eigentum, Produktschäden, Lieferengpässe oder sogar Produktionsausfälle sowie die Gefährdung (personenbezogener) Daten resultieren. Darüber hinaus könnten wir von Personen, die sich unerlaubten Zugang zu Gebäuden oder Systemen verschaffen, mit Bedrohungen aus dem Missbrauch oder Diebstahl von Informationen und Sachanlagen beziehungsweise Beschädigung derselben konfrontiert werden. Zur Vorbeugung haben wir technische und organisatorische Maßnahmen ergriffen, mit deren Hilfe wir  dieses Risiko minimieren. Dazu gehören IT-Sicherheitsmaßnahmen, Identitätsverwaltung, Zutrittskontrollsystem, mehrstufige Zugangskontrollen, Kameraüberwachung, Einsatz eines Konzernsicherheitsdienstes sowie die Sensibilisierung aller Mitarbeiter durch regelmäßige Schulungen zu Compliance- und SicherheitsThemen. Wir haben ein Sicherheits- und Steuerungskonzept implementiert, das es uns ermöglicht, Risiken schnell zu erkennen und auf sie zu reagieren.

In Summe werden 25,3 Mio. EUR als Nettorisiko in den IT-Risiken ausgewiesen. Aufgrund der geringen kumulierten Eintrittswahrscheinlichkeit ist den IT-Risiken kein Risikowert beizumessen.

Lieferantenrisiken

Das Supply-Chain-Management ist bei G+D in den jeweiligen Unternehmensbereichen organisiert, folgt aber gemäß Einkaufshandbuch einheitlichen Richtlinien. Etwaige Störungen, wie zum Beispiel Lieferverzögerungen auf Lieferantenseite, Erhöhung von Rohstoffpreisen (insbesondere Halbleiter und Baumwolle) können sich negativ auf Verfügbarkeit, Qualität und Kosten der G+D-Produkte und damit auf die Umsatzbeziehungsweise Ergebnissituation auswirken.

Bei der Auswahl externer Partner ist darauf zu achten, dass diese sich an interne Regularien, geltende Gesetze und Vorschriften halten sowie unseren Kunden qualitativ hochwertige Produkte liefern. Nach Beendigung des Auftragsverhältnisses könnte es zu Rechtsstreitigkeiten kommen, in denen Ansprüche gegenüber G+D geltend gemacht werden könnten.

Der Risikowert der Lieferantenrisiken beträgt 0,5 Mio. EUR. Hierfür wurden zum Stichtag 31.12.2017 Rückstellungen i. H. v. 0,2 Mio. EUR gebildet.

Produktionsrisiken

G+D bietet seinen Kunden hochwertige Produkte und Dienstleistungen. Zum Unternehmenserfolg tragen maßgeblich die Mitarbeiter bei. Es besteht das Risiko, dass infolge der demografischen Entwicklung offene Stellen nicht mit dem geeigneten Mitarbeiterprofil besetzt werden können. Durch Initiativen wie z.B. weltweite Hackathons und Think Tanks unterstreicht G+D seine Attraktivität als Arbeitgeber insbesondere bei Young Professionals. Begleitet werden diese Aktivitäten durch das ganzheitliche Talentmanagement, das Mitarbeiter langfristig an G+D bindet. Neben dem Personal ist auch die Auslastung der Produktionskapazitäten ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Um stets produzieren zu können, müssen zusätzliche Produktionskapazitäten vorgehalten werden. Durch unsere Produktionsplanung und -steuerung versuchen wir, die optimale Auslastung der Maschinen sowie Back-up-Kapazitäten zu gewährleisten. Eine ineffektive Personalsteuerung oder ein Stillstand des Maschinenparks hätte schwerwiegende Folgen für unsere Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Nicht mehr dem technischen Standard entsprechende oder veraltete Maschinen können zu einem Kapazitätsverlust in der Produktion führen, sodass die eingeplanten Mengen nicht oder nur teilweise produziert werden können. Projektverzögerungen oder eine verspätete Auslieferung der Produkte an Endkunden können die Folge sein. Sollte G+D Produkte zu spät liefern, können damit bspw. Vertragsstrafen aufgrund der Nichteinhaltung der Lieferfristen entstehen. Rechtzeitige Ersatzinvestitionen sollen dies verhindern. Investitionen werden bei G+D zentral in den Unternehmensbereichen gesteuert und vom Projektcontrolling eng begleitet.

Auch gesetzliche Anforderungen können Einfluss auf die Produktion haben, wenn zum Beispiel Emissionsgrenzwerte stärker reglementiert werden. Umweltaspekte nehmen in Unternehmen eine immer größere Rolle ein. Wir versuchen derartigen Risiken durch unser Umweltmanagement und unser Konzept der Corporate Responsibility (CR) entgegenzuwirken. Getroffene Maßnahmen sind im Kapitel „Unsere Verantwortung“.

Nicht erkannte Mängel und Qualitätsprobleme bzw. Verzögerungen bei der Einführung von neuen Produkten könnten für G+D zu höheren Kosten führen und sowohl die Nachfrage nach unseren Produkten sowie unseren Ruf beeinträchtigen. Um dem entgegenzuwirken, ist eine kontinuierliche, effiziente Weiterentwicklung und kundenorientierte Ausrichtung unseres Qualitätsmanagementsystems unerlässlich. Insbesondere im Rahmen der Produktentstehung sind frühzeitig implementierte Präventivmaßnahmen entscheidend, um die zugesicherte Produktqualität zu erreichen und damit erhebliche Folgekosten in der späteren Vermarktungsphase zu vermeiden. Die Grundeinstellung „Qualität geht uns alle an“ wird Realität, wenn Abläufe, abgestimmte Schnittstellen und eine eindeutige Zuordnung von Aufgaben und Verantwortung klar beschrieben und kommuniziert werden. Dafür müssen alle beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau darüber Bescheid wissen, welchen Beitrag sie an ihrem Arbeitsplatz dazu leisten können.

Durch Ablösung bestehender Produkte in einer Region könnten gelagerte Ersatzteile nicht mehr verwendet werden. Wir begegnen diesem Risiko durch periodische Überarbeitung unserer Auslauf- und Absatzplanung. Darüber hinaus werden die Lagermaterialien regelmäßig im Rahmen der Abschlusserstellung einem Werthaltigkeitstest unterzogen.

Der Risikowert der Produktionsrisiken beträgt 10,0 Mio. EUR. Hierfür wurden zum Stichtag 31.12.2017 Rückstellungen bzw. Wertberichtigungen i. H. v. 6,8 Mio. EUR gebildet.

Risiken im politischen Umfeld

Politische Unsicherheiten in einigen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens bestimmen das aktuelle Geschehen. Verträge mit Kunden aus diesen Regionen könnten einer extremen Entwicklung unterliegen, sodass der Erfüllung beiderseits vertraglich vereinbarter Pflichten aufgrund von höherer Gewalt oder Engpässen nicht nachgekommen wird.

Wir begegnen diesen Risiken durch eine fortlaufende Beobachtung der konjunkturellen und politischen Entwicklung unserer wesentlichen Absatzmärkte. Hier kommt G+D die stark regional ausgerichtete Vertriebsorganisation zugute. Produktion und Investitionen werden zentral gesteuert, sodass auf eine etwaige Konjunkturabschwächung schnell reagiert werden kann.

Der Risikowert der Risiken im politischen Umfeld beträgt 4,8 Mio. EUR. Hierfür wurden zum Stichtag 31.12.2017 Rückstellungen i. H. v. 3,0 Mio. EUR gebildet.

Steuerrisiken

Die Geschäftstätigkeit von G+D ist den für internationale Geschäfte üblichen Risiken unterworfen. Dazu zählen zum Beispiel das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Steuersysteme, mögliche steuerliche Hindernisse, die den Geschäftsverkehr erschweren, sowie Im- und Exportregelungen. Konzerninterne Verrechnungen könnten von Finanzbehörden in Frage gestellt werden, was langwierige Verhandlungen und umfangreiche Dokumentationspflichten nach sich zieht.

Wir wirken diesen Risiken entgegen, indem wir unsere internen Prozesse kontinuierlich an die aktuellen Anforderungen anpassen sowie die Beratung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Anwalts- und Steuerkanzleien in den jeweiligen Ländern in Anspruch nehmen.

Aus der Abspaltung und Gründung von rechtlich selbständigen Landesgesellschaften im Zuge der Einführung der Holdingstruktur haben sich zusätzliche potenzielle Risiken ergeben. Wo möglich, wurde die Risikoposition durch das Einholen verbindlicher Auskünfte bei den zuständigen lokalen Steuerbehörden weitestgehend gemindert.

 

3.4.3. Operative Chancen


Aufgrund des dynamischen Marktumfelds eröffnen sich ständig neue Chancen. Das breite vertikale und horizontale Produkt- und Lösungsportfolio des Gesamtkonzerns wirkt risikodiversifizierend und erlaubt es, diese Marktchancen wahrzunehmen.

In unserem dynamischen Marktumfeld kann es gelegentlich vorkommen, dass Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Sofern der Kunde Insolvenz angemeldet hat, müssen diese Forderungen in der Buchhaltung wertberichtigt werden. Im Jahresabschluss 2017 sind 14,3 Mio. EUR an wertberichtigten Kundenforderungen enthalten. Sollte es dem Kunden wider Erwarten möglich sein, die ausstehenden Forderungen dennoch zu begleichen, so könnten die Wertberichtigungen aufgelöst werden. Dies hätte einen positiven Effekt auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in entsprechender Höhe.

In folgenden Feldern sehen wir Chancen, die schwer zu quantifizieren sind:

G+D ist technologisch führend in den Bereichen Digitalisierung, Cyber Security und intelligente Automatisierung, die alle ein großes Marktpotenzial besitzen. Falls diese Trends in der Industrie, im öffentlichen Sektor oder im Privatbereich kurzfristig an Bedeutung gewinnen und Veränderungsprozesse schneller einsetzen, könnten Chancen für Lösungsangebote von G+D entstehen und die Umsatz- und Ergebnisprognose erhöhen.

G+D hält in einem dynamischen Marktumfeld die Balance zwischen der effizienten Bedienung der heutigen Kundenbedürfnisse und den Investitionen in zukunftsträchtige Produkte und Lösungen. Sollte uns die vertikale und horizontale Ausdehnung unserer Wertschöpfung schneller und in höherem Maße gelingen als bisher angenommen sowie das Bewusstsein für mehr Sicherheit in der digitalen Welt zu einer stärkeren Nachfrage nach Sicherheitstechnologie führen als bisher angenommen, könnte dies dazu führen, dass neue und verbesserte Produkte schneller nachgefragt werden. Daraus könnte sich ein positiver Einfluss auf unsere Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ergeben, der die Anhebung der bisherigen Prognose ermöglicht.

Letztlich könnten auch gesetzliche Anforderungen für eine Umsatz- und Ergebniserhöhung sorgen. Sofern Gesetze erlassen werden, die zum Beispiel eine bestimmte Technologie vorschreiben, an deren Entwicklung wir partizipieren beziehungsweise die in unseren Produkten enthalten ist, könnte dies zu einer Anhebung unserer Prognosen führen.

Für die in Kapitel 3.4.1. dargestellten operativen Risiken wurden Rückstellungen in Höhe von 16,5 Mio. EUR gebildet. Sollte die Eintrittswahrscheinlichkeit dieser Risiken sinken beziehungsweise das Risiko ganz wegfallen oder der potenzielle Schaden durch qualifizierte Gegenmaßnahmen weiter gesenkt werden können, so hätte dies durch entsprechende Rückstellungsauflösungen einen positiven Einfluss auf die Vermögens- und Ertragslage.

Insgesamt stehen sich Chancen und Risiken in einem ausgewogenen Verhältnisgegenüber.
 

4. Prognose

 

Mit einem soliden Auftragsbestand von rund 1,2 Mrd. EUR startete G+D in das laufende Geschäftsjahr. Die rechnerische Auftragsreichweite entspricht 6,8 Monaten. Besonderen Anlass zu einem positiven Ausblick gibt einer der größten Aufträge in der Firmengeschichte: Wir erwarten, dass die Ägyptische Zentralbank G+D im ersten Halbjahr 2018 mit der Planung und Ausstattung einer Banknotendruckerei sowie eines automatisierten Cash Centers beauftragen wird. Das Projekt mit einem Volumen von rund 260 Mio. EUR und einer Laufzeit von zwei Jahren basiert auf modernster IT- und Sicherheitsinfrastruktur und beinhaltet auch die Ausstattung weiterer Regionalzentren.

G+D plant, 2018 den Umsatz im Vergleich zum Berichtsjahr leicht zu erhöhen. Dies gilt unter der Voraus- setzung, dass die Wechselkurse weitgehend unverändert bleiben.

Der Bereich G+D Currency Technology soll das außerordentlich hohe Umsatzniveau des Jahres 2017 halten. Nach zwei äußerst erfolgreichen Jahren im Absatz von Banknoten und Sicherheitslösungen erwarten wir, dass 2018 insbesondere das Projektgeschäft, der Anlagenbau sowie der Verkauf von Banknotenbearbei- tungsmaschinen weiter zulegen. Zusätzlich kommt Rückenwind von der immer stärkeren Digitalisierung im Bargeldkreislauf. Der Markt von G+D Currency Technology ist von einem hohen Wettbewerbsdruck geprägt, so dass der Bereich einen leichten Rückgang des EBIT erwartet.

Der Unternehmensbereich G+D Mobile Security geht von einer Markterholung aus und wird im Umsatz voraussichtlich leicht zulegen. Damit soll auch das Ergebnis 2018 besser ausfallen. Hierzu optimieren wir fortlaufend unsere Produktionsprozesse und fokussieren uns auf das Lösungsgeschäft. Mittelfristig wird sich auch die Schließung des Produktionsstandortes in der Slowakei positiv auf die Ertragskraft des Unternehmensbereichs auswirken.

Veridos nimmt sich ein deutliches Umsatzwachstum vor, das vor allem durch Lösungsprojekte und Serviceleistungen gestützt werden soll. Die Projekte erstrecken sich dabei meist von der Planung bis hin zum Betrieb der Anlagen und bieten ein hohes Umsatzpotenzial bei langen Laufzeiten. Das Ergebnis wird auf dem Niveau des Vorjahres erwartet.

Die Konzerntochter secunet geht nach dem Rekordjahr 2017 von einer Normalisierung bei der Nachfrage nach Cyber-Security-Lösungen aus. Damit wird das Umsatz- und Ergebnisniveau leicht unter dem außeror- dentlich erfolgreichen Vorjahr erwartet.

Die Ergebnisgrößen EBIT und EBITDA werden für G+D in Summe leicht unter dem hohen Niveau von 2017 erwartet.

Die Working-Capital-Intensität soll 2018 leicht unter dem Niveau des Berichtsjahres liegen.

Nach der verhaltenen Investitionstätigkeit in den vergangenen Jahren gehen alle Unternehmensbereiche von leicht steigenden Investitionsvolumina aus, die 2018 die Abschreibungen übersteigen sollen. Der Bereich Currency Technology konzentriert sich dabei auf Innovationen für Security Solutions. Der Bereich Mobile Security setzt auf die Digitalisierung seines Leistungsangebots sowie Managed Services. Daneben investieren alle Bereiche in die Verbesserung der Effizienz bestehender Anlagen. Veridos wird zudem die Passproduktion in Athen ausbauen.

Der Free Cashflow soll 2018 positiv sein und deutlich über 2017 liegen. Ein maßgeblicher Einfluss geht hierbei vom Working Capital aus. Durch den geringeren Aufbau von Working Capital im Jahresvergleich soll deutlich weniger Liquidität gebunden werden.

G+D wird 2018 gezielt in Wachstumsmärkten Mitarbeiter aufbauen, sodass ein leichter Anstieg auf Konzernebene erwartet wird.

Der ROCE wird auf dem Niveau von 2017 erwartet.

Es wird darauf hingewiesen, dass die tatsächlichen Ergebnisse von den Erwartungen über die voraussichtliche Entwicklung abweichen können.
  

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