Interview

 

Ralf Wintergerst
Vorsitzender der Geschäftsführung, CEO

Ralf Wintergerst ist als Vorsitzender der Geschäftsführung für die weltweiten Aktivitäten von Giesecke+Devrient (G+D) mit mehr als 11.000 Beschäftigten und über zwei Milliarden Euro Umsatz verantwortlich. Im Interview spricht er über die Auswirkungen der Digitalisierung, welchen Stellenwert Großaufträge für das Geschäft haben und was Agilität und Wandlungsfähigkeit für G+D bedeuten.

»Agilität und Wandelbarkeit sind für uns als Unternehmen unerlässlich. Damit stärken wir auch unsere Widerstandsfähigkeit in dynamischen Märkten.«

Herr Wintergerst, G+D war in den ver­gangenen Monaten stark in Bewegung. Sie haben unter anderem eine neue Unternehmensstruktur, ein frisches Markenkonzept sowie eine veränderte Strategie vorgelegt. Woher kommt die Eile?
Die Welt um uns herum ist stark in Bewegung. Daher ist es vollkommen normal, dass auch wir uns bewegen und verändern müssen, denn wir wollen selbst das Heft des Handelns in der Hand halten. Agilität und Wandel­barkeit sind dafür unerlässlich – etwas, das wir im ganzen Konzern üben und praktizieren. Damit stärken wir letztendlich auch unsere Widerstandsfähigkeit in dynamischen Märkten.

Ist Ihnen das im Geschäftsjahr 2017 gelungen?
Wenn wir auf unsere Zahlen schauen, dann können wir die Bedürfnisse unserer Märkte und Kunden offenbar gut bedienen: Nach dem Rekordjahr 2016 konnten wir 2017 unseren Umsatz sowie das Ergebnis weiter steigern. Alle vier Unternehmensbereiche haben einen positiven Beitrag zum Ergebnis geleistet. Besonders stark wachsen wir konzernübergreifend im Lösungsgeschäft, also der kombinierten Anwendung von Produkten, Dienstleistungen und SoftwareLösungen. Hier haben wir innerhalb eines Jahres um mehr als 10 Prozent zugelegt. In Summe ist das eine sehr gute Ausgangsposition für das, was wir uns vorgenommen haben.

Und was ist das?
Unser Ziel ist es, kritische Anwendungen für moderne Gesellschaften sicherer zu machen. Wir wollen das Bezahlen, die Identitäten von Menschen, die Konnektivität von mobilen Anwendungen und im Internet der Dinge, sowie IT und Daten absichern. Themen, die im Zeitalter der Digitalisierung von Tag zu Tag wichtiger werden. Genau entlang dieser Geschäftsfelder hat unser Portfolio im vergangenen Jahr deutlich an Kraft gewonnen, auch durch einige kleinere Zukäufe. Worauf wir uns in der Weiterentwicklung unseres Unternehmens nun besonders fokussieren, sind drei Schwerpunkte: intelligente Automatisierung, digitale Transformation und Cybersicherheit. Hier sehen wir über alle Geschäftsfelder hinweg die größten Wachstumschancen für G+D.

Der Bedarf an sicheren Lösungen für die digitale Welt steigt stetig. Wie geht G+D beim Ausbau solcher Anwendungen voran?
Um die Absicherung der Digitalisierung kümmern wir uns bei G+D ja schon seit einiger Zeit. Über den gesamten Konzern hinweg ist unser Geschäft mit Anwendungen und Lösungen für IT- und Datensicherheit im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent gewachsen. Dabei sehen wir auch weiterhin einen steigenden Bedarf im behördlichen und – immer stärker – auch im industriellen Umfeld. Insbesondere bei den Bezahltechnologien, bei Konnektivität etwa im Automobilsektor und natürlich beim Schutz von digitalen Identitäten wird Cybersicherheit immer wichtiger.

G+D unterstützt Regierungen, Behörden, Banken, Automobilkonzerne und Industrieunternehmen dabei, die Digitalisierung sicher voranzutreiben. Wie kommt die digitale Transformation im eigenen Haus voran?
Wir stecken einen erheblichen Betrag in die Weiterentwicklung unserer IT-Infrastruktur. Die drei wesentlichen Fokusthemen sind die digitale Schnittstelle zu unseren Kunden, die Durchgängigkeit von Prozessen und auch das Etablieren neuer digitaler Geschäftsmodelle. Letzteres treiben wir mit mehreren Initiativen im eigenen Haus und teilweise mit Partnern voran: So haben wir G+D advance52, unsere neue Digitaleinheit, gegründet oder gehen technologisch wichtige Themenfelder in unternehmensübergreifenden Think Tanks an. Konkrete Ergebnisse gibt es beispiels­weise bereits zu Blockchain-Anwendungen, Biometrie oder digitalen Währungen. Wir wollen Neues schnell und mit agilen Methoden testen – und ebenso schnell über nächste Schritte und Investitionen entscheiden.

Mit der Zentralbank Ägyptens hat G+D einen Vertrag über 260 Millionen Euro abgeschlossen. Welchen Stellenwert haben Großaufträge wie dieser für G+D?

Für G+D waren Großaufträge schon immer ein zentraler Bestandteil unseres Geschäfts. Wir sind für unsere Kunden dabei ein Partner mit umfassender Integrations- und Lösungskompetenz – und zwar quer über unsere strategischen Geschäftsfelder hinweg. Unser Großauftrag in Ägypten ist ein schönes Beispiel. Denn hier geht es um eine integrierte Lösung zur Herstellung, Lagerung und Zirkulation von Bargeld mit modernster IT und Logistik. Damit denken und realisieren wir die Kundenanforderungen von A bis Z.

Lassen Sie uns zum Schluss den Blick nach vorne richten: Wie geht es 2018 für G+D weiter?
Wir sind für 2018 vorsichtig optimistisch. Vorsichtig aufgrund des derzeit schnellen Wandels in Industrie und Wirtschaft sowie der weltweit vielfältigen politischen Unsicherheiten. Der Optimismus kommt durch die zahlreichen Ideen, aus denen wir schöpfen. Wir besitzen über alle Bereiche hinweg einen starken Willen und die Kraft, uns weiterzuentwickeln. Zudem haben wir ein Portfolio, das die großen Themen unserer Zeit abdeckt: Bezahlen, Identitäten, Konnektivität und IT-und Datensicherheit in der physischen und digitalen Welt. Bis zum Ende des Jahres 2018 geht es nun nicht nur darum, unsere Leistung zu steigern, ausgedrückt in den finanziellen Kennzahlen. Es geht uns vor allem auch darum, die Stärke und Robustheit unserer Lösungen und unseres Angebotsportfolios weiter zu verbessern. Ich freue mich, dies mit all unseren Kolleginnen und Kollegen weltweit anzugehen.

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