Wir machen das Leben von Milliarden von Menschen sicherer

 

Ralf Wintergerst

Group CEO Giesecke+Devrient

Ralf Wintergerst ist Group CEO von Giesecke+Devrient (G+D).
Die Unternehmensgruppe mit 2,3 Milliarden Euro Umsatz und rund 11.400 Beschäftigten in 32 Ländern ist weltweit in den Bereichen Bezahlen, Konnektivität, Identitäten und digitale Sicherheit tätig. Im Interview spricht Wintergerst über Innovation, darüber was alle Unternehmensbereiche von G+D gemeinsam haben und warum er manchmal von seinen Mitarbeitern Geld verlangt.

Herr Wintergerst, in unserer agilen, bewegten Welt ist nichts so spannend wie die Zukunft, dennoch zunächst ein Blick zurück auf die vergangenen zwölf Monate: Sind Sie mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr bei Giesecke+Devrient zufrieden?

Ja, das bin ich. G+D hat sich im Umfeld von unbestimmten Märkten und politischen Unwägbarkeiten überall auf dem Globus gut behauptet und unterm Strich ein erfolgreiches Geschäftsjahr absolviert. Das ist nicht immer einfach zu planen, denn die moderne Welt ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass das Unerwartete – und ja: manchmal auch das Irrationale – mehr und mehr zur Norm wird. Für Unternehmen hängt der Erfolg deshalb zunehmend davon ab, Prioritäten richtig zu setzen und, wenn notwendig, schnell zu reagieren. Das haben wir 2018 ziemlich gut geschafft.

Schlägt sich das auch in den Zahlen nieder?

G+D ist weiterhin auf Wachstumskurs, das zeigen unsere Zahlen. Wir haben im Geschäftsjahr 2018 etwa 2,3 Milliarden Euro umgesetzt, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Und erfreulicherweise tragen erneut alle Unternehmensbereiche zu diesem Wachstum bei und schreiben schwarze Zahlen. Noch aussagekräftiger für unsere Zukunft ist aber eine andere Kennzahl: Wenn wir in unsere Bücher blicken, dann sehen wir einen Auftragsbestand von etwa 1,7 Milliarden Euro – das ist 50 Prozent mehr als vor einem Jahr um diese Zeit. Und ein absoluter Rekord in der Unternehmensgeschichte. Das hohe Auftragswachstum mit unserem Portfolio in den Bereichen Bezahlen, Konnektivität, Identitäten und Digitale Sicherheit unterstreicht das Vertrauen unserer Kunden in die Leistungsfähigkeit von G+D

Woran liegt das?

Das hat viel mit dem Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun und damit, wie sie sich mit ihren Erfahrungen, Motivationen und Fähigkeiten für den Kunden einbringen. Man muss Aufbruchstimmung, Agilität und Neugier auf die Zukunft nicht nur bei den Start-ups und Tech-Konzernen dieser Welt suchen. So einen Spirit finden Sie auch an sehr vielen Stellen bei G+D. Dazu kommt, dass Kunden unseren Sicherheitstechnologien und -lösungen vertrauen. Das klappt nur, wenn Sie den Kunden und seine Bedürfnisse kennen und verstehen.

Und wo lagen 2018 die konkreten Erfolge? 

Tatsächlich konnten wir gleich in mehreren unserer Unternehmensbereiche den jeweils größten Einzelauftrag ihrer Geschichte abschließen: So baut unser Unternehmensbereich Currency Technology in Ägypten einen Sicherheitskomplex für die Herstellung, Lagerung, Prüfung und Zirkulation von Bargeld. Der Unternehmensbereich Mobile Security hat mit der französischen Crédit Agricole einen Großauftrag für die Entwicklung, Herstellung und Distribution personalisierter Zahlungskarten abgeschlossen. Und unser Joint Venture Veridos wurde beauftragt, Bangladesch mit technologisch hochsicheren elektronischen Pässen und Systemen für die Grenzkontrolle auszustatten. Auch die secunet Security Networks ist ungebrochen auf Erfolgskurs und hat mit der Markteinführung des sogenannten E-Konnektors, der Arztpraxen den einfachen und sicheren Zugang zur Telematikinfrastruktur ermöglicht, ein wichtiges Projekt vorangebracht. 

Von Lösungen bis zum Produktgeschäft, von Technologien für den Geldkreislauf oder Identifikation bis hin zur Absicherung von digitalen Verbindungen – das Betätigungsfeld von G+D ist groß. Was hält alles zusammen?

Alle diese Felder werden durch Technologie vorangetrieben, Sicherheit ist dabei der gemeinsame Nenner! Das ist eines der zen­tralen Themen unserer Tage, aber bei weitem keine Erfindung unserer Zeit. Wir machen mit unseren Technologien und Lösungen das Leben von Milliarden von Menschen Tag für Tag sicherer – auch wenn die meisten das im Alltag gar nicht mitbekommen. Wir sind weltweit führend im baren und elektronischen Zahlungsverkehr, wir sichern die Verbindungen von Smartphones, Tablets und Autos in mobile Netze, wir schützen persönliche Identitäten, den Grenzverkehr, Staaten, Behörden und kritische Infrastrukturen gegen Datenmissbrauch.

Was muss man als Unternehmen tun, um sich in diesen technologisch getriebenen Märkten zu behaupten?

Es kommt uns auf drei Dinge an: Zum ersten der Fokus auf unsere vier Felder sicheres Bezahlen, sichere Verbindungen, Identitäten und der Schutz digitaler Infrastrukturen. Zum zweiten ist die Kombination von Technologien, Produkten und Leistungen für unsere Kunden extrem wichtig. Heute sind weniger einzelne Produkte oder Leistungen die Erfolgsformel als vielmehr die richtige Kombination und Bündelung. Genau diese Erfolgsformeln müssen wir finden und fördern. Zudem kommt es darauf an, dass wir uns darauf konzentrieren, wie wir zusammenarbeiten – innerhalb des Unternehmens und mit unseren Kunden. Für uns gelten dabei drei Eigenschaften als Referenzpunkt in allem, was wir tun: zuverlässig, gemeinschaftlich und innovativ.

»Man muss Aufbruchstimmung und Neugier auf die Zukunft nicht nur bei den Start-ups dieser Welt suchen. So einen Spirit finden Sie auch an vielen Stellen bei G+D.«

In wenigen Bereichen ist der Druck, am Puls der Zeit zu sein, so hoch wie im sensiblen Geschäft mit der Sicherheit. Ganz konkret, wie gehen Sie Innovationen an?

Da ist zum einen die klassische Forschung und Entwicklung, die bei uns hochspezialisiert in den einzelnen Unternehmensbereichen stattfindet. Sie ist und bleibt eine Hauptachse unserer Innovationsaktivitäten. Zum anderen sind wir stets auf der Suche nach strategischen Zukäufen entlang unseres Kerngeschäfts, die unser Portfolio ergänzen oder erweitern. Was neu ist in diesem Zusammenspiel, ist die dritte Säule unseres Innovationsprozesses: Wir sind als Unternehmen nun selbst am Venture-Markt aktiv und investieren in Start-ups mit vielversprechenden Technologien, die zu uns passen. Mit der Identitätsplattform Verimi oder IDnow, einem Anbieter für Online-Identifikation, haben wir im vergangenen Jahr bereits den Anfang gemacht. Über unsere neugegründete Beteiligungsgesellschaft G+D Ventures ermöglichen wir – übrigens zum ersten Mal in der Firmengeschichte – auch Ausgründungen aus dem Unternehmen.

Wie kommt es zu einem solchen Spin-off?

Wenn es aus unseren eigenen Reihen erfolgsversprechende Ideen gibt, die nicht zu einhundert Prozent in unsere vier Kernbereiche passen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dann Teilhaber der ausgegründeten Unternehmen werden – und dafür auch eigenes Geld in die Hand nehmen. Ende 2018 haben wir das mit Build38, einem Unternehmen für Software- und App-Sicherheit, ein erstes Mal erfolgreich vollzogen.

Was können wir von G+D im kommenden Jahr erwarten?

Unser Auftragsbestand für 2019 ist vielversprechend und wird durch die Langfristigkeit der Aufträge auch noch in die Folgejahren wirken. Zudem achten wir auf zwei weitere Dinge: Zum einen die Entwicklung der Weltwirtschaft, die derzeit etwas unsichere Prognosen liefert. Und zum anderen die qualitative Entwicklung unseres Angebots­portfolios für unsere Märkte und Kunden. Viel wichtiger als die reine Umsatzzahl ist für mich daher, dass wir uns inhaltlich bewegen. Das ist uns im vergangenen Jahr gut gelungen und wird auch für 2019 im Fokus stehen. Eine tragende Rolle spielt dabei unsere strategische Ausrichtung hin zu stärker lösungsorientierten und digitalen Geschäftsmodellen. Auch kulturell bedeutet das, G+D ist in Bewegung: Wir beschäftigen heute so viele IT-Leute wie nie, bei uns arbeiten Spezialisten für Nanotechnologie, Cybersicherheit, Biometrie, Automatisierung und digitale Transformation. Wir beschäftigen uns mit künstlicher Intelligenz und Post-Quanten-Kryptografie. Dieses Know-how können und werden wir für uns nutzen

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